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vom 12.12.2011
Fussball.de online Rubrik - Warum heißen die so? Heute:
Idreatsforening Tönning (12.12.2011,
08:49 Uhr - Von Oliver Strerath)

Es gibt sie quer durch Deutschland, in zahllosen Ligen – Vereine,
bei denen man sich sofort fragt: Wieso heißen die so? Woher kommt
der Name? FUSSBALL.DE stellt jetzt Klubs mit interessanten,
kuriosen, ausgefallenen Namen vor. Heute, Teil 7:
Idreatsforening Tönning, erste Mannschaft: Kreisliga.
Es war eine schwierige Zeit. Damals. 1945. Nach Kriegsende. Vielen
Menschen suchten nach einem neuen Leben. So auch im nördlichen
Schleswig-Holstein, wo der Zustrom zur dänischen Bewegung immer
größer wurde. In Tönning, einem Ort an der Eider, entschied man
sich daraufhin, der dänischen Minderheit Angebote auch in
sportlicher Hinsicht zu machen. Am 1. März 1946 wurde daher ein
Sportverein, oder eben in Dänisch, ein Idreatsforening gegründet.
Und diesen Namen, Idreatsforening Tönning, trägt der Klub noch
heute.
"Der Sportplatz war direkt hinter dem Haus"
"Viele hatten damals einfach die Schnauze voll von Deutschland",
begründet Gerhard Mölck den Drang sich zu verändern. Der
61-Jährige weiß dies von Erzählungen. Etwa von seinem Vater
Werner, der laut Chronik am 1. April 1947 in den Verein eintrat,
in der ersten Ligamannschaft Fußball spielte und über Jahre im
Vorstand des Idreatsforening (kurz IF) wertvolle Arbeit leistete.
Er ging damit als gutes Beispiel für seine Söhne Dieter und
Gerhard Mölck voran, der dem Klub seit 1961 angehört. "Der
Sportplatz war zudem direkt hinter unserem Haus", nennt Gerhard
Mölck ganz pragmatisch einen weiteren Grund für die Zuneigung der
Familie zum IF Tönning. Er ist übrigens Deutscher. Wie der
Großteil der heute rund 250 Vereinsmitglieder. "Etwa 15 Prozent
gehören der dänischen Minderheit an", sagt der Zweite Vorsitzende
des Idreatsforening mit friesischer Gelassenheit. "Wir sind
mittlerweile längst ein deutscher Verein. Sonst könnten wir ihn
gar nicht am Leben erhalten."
Großes Pokalspiel im Jahr 1976
Gerhard Mölck hat 50 Jahre der Geschichte des Idreatsforening
Tönning miterlebt. Zum Beispiel, wie im Jahr 1960 der erste
vereinseigene Platz eingeweiht wurde. Oder den Bau des ersten
Vereinsheims 1965. Oder die Gründung eines Frauen-Teams 1973. Von
1985 bis 1992 führte er als Erster Vorsitzender den IF, der
phasenweise auch Handball, Tennis oder Boxen anbot. Heute ist er
ein reiner Fußball-Verein. Und der 61-Jährige war auch Spieler und
nahm am bisher größten sportlichen Moment des Klubs teil. "Ich war
alles. Denker und Lenker“, erinnert er sich an seine aktive Zeit.
Auch an jenem 7. August 1976, als die Nordlichter in der ersten
Runde des DFB-Pokals beim damaligen Zweitligisten
Bayer Leverkusen ran mussten. "Wir hatten uns als
Bezirkspokalsieger qualifiziert. Aber leider entschied die
Auslosung, dass das Spiel in Leverkusen ist", sagt Mölck. Die
einstige Regel, dass die Amateure gegen Profis Heimrecht haben,
gab es damals noch nicht
Bis zur Halbzeit gut dabei
So trat Tönning vor 1300 Zuschauern im Ulrich-Haberland-Stadion
gegen Jürgen Gelsdorf, Dieter Herzog, Peter Hermann (sie zählten
zu den Torschützen) und Teamkameraden an. "In der ersten Halbzeit
waren wir gut dabei, lagen nur 0:1 zurück. Dann hat unsere
Kondition aber nachgelassen. Aber wenn das Spiel in Tönning
gewesen wäre, vielleicht hätten wir gewonnen", sagt Mölck und
lacht. Der IF verlor letztlich mit 0:4 gegen den heutigen
Champions-League-Teilnehmer. Immerhin, die Rheinländer erwiesen
sich damals als gute Gastgeber. So gab es auch eine Besichtigung
des Bayer-Werkes. Allerdings mussten die Friesen die Reisekosten
selbst zahlen. In der Liga pendelt der Klub von je her zwischen
Kreisliga und Bezirksliga hin und her. 1984 spielte der IF sogar
mit zwei Teams in der Kreisliga Nordfriesland, nachdem die erste
ab- und die zweite Mannschaft aufgestiegen war. "Wir hoffen
natürlich, es in die Verbandsliga zu schaffen", sagt Mölck zum
aktuellen Ziel des Kreisligisten. Nur zur Erklärung: Bei einer
Neugliederung der Klassen wurde die Bezirksliga zur Verbandsliga.
Als Motivation für die aktuelle Spielergeneration des
Idreatsforening dienen übrigens noch immer die Erzählungen vom
großen Pokalauftritt auf nationaler Bühne. "Das ist ein
unvergessliches Erlebnis gewesen", sagt Mölck und fügt an: "Von
dieser Erinnerung leben wir noch heute." So wie es der Verein mit
seinem außergewöhnlichen Namen tut.